
- Home
- Montessori
- Freiarbeit
Freiheit und Verantwortung
In unserer Schule gibt es eine eherne Regel: An jedem Morgen gehört ein zusammenhängender Block von ganzen drei Stunden komplett der „Freiarbeit“. Warum so lang? Weil Kinder Zeit brauchen, um richtig tief in ein Thema einzutauchen – ohne dass nach 45 Minuten die Pausenglocke alles wieder zerstört.
Doch was ist eigentlich „Freiarbeit“?
Stellen Sie sich einen Raum vor, der eher an einen Wohnraum erinnert als an ein klassisches Klassenzimmer. Überall stehen Regale mit Montessori-Material. An einem Tisch arbeiten drei Kinder am Sonne-Erde-Modell, weiter weg üben zwei andere die Malreihen. An einem runden Teppich sitzen sechs Kinder und bekommen von der Lehrerin eine Einführung in die Flächenberechnung. Hier diskutieren mehrere Kinder eifrig an der „Zeitleiste des Lebens“ die Entwicklung der Arten. Alltag in der Freiarbeit.

Freiheit
Innerhalb dieser drei Stunden können die Kinder ihren Arbeitstag weitgehend selbständig gestalten. Sie entscheiden:
- Was sie lernen (z. B. erst Bruchrechnen, danach Projektarbeit).
- Wo sie arbeiten (am Tisch, auf dem Teppich oder in der Leseecke).
- Mit wem sie arbeiten (alleine oder im Team).
- Wie lange sie an einem Thema arbeiten.
Und Verantwortung
Wer denkt, das Ganze sei ein Freifahrtschein fürs Nichtstun, irrt sich gewaltig. Die Kinder haben zwar grosse Freiheiten, aber eben auch eine ganz klare Pflicht: Sie müssen arbeiten. Es geht nicht darum, sich irgendwie die Zeit zu vertreiben, sondern echte Aufgaben anzupacken, an denen man wachsen kann. Das gewählte Material muss ernsthaft genutzt werden. Die Freiheit liegt darin, wie das Kind selbständig an sein Ziel kommt – das Ziel selbst ist die eigene Weiterentwicklung.

Die eigene Arbeit reflektieren
Am Ende der Arbeitswoche hat jedes Kind eine „Wochenkonferenz“ mit der Lehrperson. Es bespricht die Arbeiten der Woche, reflektiert seinen Arbeitsprozess, seine Fortschritte, die Hindernisse, die sich dem Arbeitserfolg in den Weg stellten, und wie es diese in Zukunft vermeiden kann. Die Basis dieses Gesprächs bildet das Arbeitsjournal des Kindes.

Über die neun Jahre in unserer Schule lernt es so, sich selbst zu reflektieren, Verantwortung für die Arbeit zu übernehmen und sich selbst zu organisieren.
Das Ergebnis? Die Kinder lernen, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Sie merken: Ich werde hier als Mensch ernst genommen – aber ich muss auch abliefern. Und zwar für mich selbst, nicht für die Noten.